Skeptiker-Märsche vor Aufnahme in die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes

Schützenswertes Brauchtum: Nur noch ein paar Protestumzüge mehr, und die samstäglichen Massnahmen-Demos erfüllen gemäss Bundesamt für Kultur die Kriterien einer gelebten Schweizer Tradition, die von der Unesco als immaterielles Kulturerbe anerkannt werden kann.


Bald mit Unesco-Label unterwegs? Wahrheitspächter am Samstag in Neuenburg.

«Alles spricht über Folgen der Pandemie, aber kaum jemand hat bis jetzt die Risiken einer zu wenig durchdachten Rückkehr zur Normalität im Blick», sagt Jean-Louis Coutumes, Vizedirektor des Bundesamtes für Kultur. «Das Verschwinden der so genannten Schwurbler- und Skeptikermärsche wäre nicht nur ein herber Verlust für das gelebte Schweizer Brauchtum, es würde vermutlich auch viele Tausende Mitbürger in ein inneres Vakuum stürzen, das gesundheitliche und volkswirtschaftliche Kosten - Stichwort LongParanoid - nach sich ziehen könnte.»


Ziel des Bundes ist es nun, die landesweit beliebte Tradition in Kooperation mit bestehenden Veranstaltern wie «stiller Protest» oder «Mass voll» für eine Zukunft nach Corona zu sichern. «Engagement und Kreativität der Teilnehmer lassen sich locker mit andern grossen Traditionen wie etwa dem Appenzeller Silvesterchlausen vergleichen», hält Vizedirektor Coutumes fest. «Faszinierend ist auch der heilige Ernst, mit dem das Anti-Diktatur-Narrativ zelebriert wird, was rational betrachtet etwa so absurd ist wie die der Glaube der Zürcher, die Qualität des Sommers hänge von der Brenndauer des Böögg ab.»

Austausch mit Basler Fasnacht?

Wie schnell die Skeptikermärsche zum offiziellen Schweizer Brauchtum werden können, hängt von verschiedenen Faktoren ab. «Wenn wir im Gegenzug eine vergessen gegangene Tradition wie die Basler Fasnacht, die schon seit zwei Jahren nicht mehr stattfindet, aus der Liste streichen, könnte das Verfahren in wenigen Wochen abgeschlossen sein.»

Ehrengast Berset

Dass das Szenario einer raschen Zertifizierung durchaus realistisch ist, zeigen Informationen aus dem Umfeld des Eidgenössischen Departements des Inneren (EDI), wonach sich Bundesrat Alain Berset bereits für Juli Termine freihält, um an einer Grossdemo in einer Schweizer Kleinstadt im traditionellen weissen Schutzanzug eine engagierte Brandrede gegen den Gesundheitsminister zu halten.

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