Publikumsrat kritisiert Schlacht um Kobane

Die Meinungen zum Themenmonat «Die Schlacht um Kobane» gehen im Publikumsrat weit auseinander. Am meisten Kritik ernten die Hauptakteure: Vor allem die Rolle des naiven Westens werde total unglaubwürdig dargestellt.

Für die Mehrheit im Publikumsrat ist «kaum nachvollziehbar, ja geradezu lächerlich, dass die mächtigsten und wirtschaftsstärksten Nationen der Welt einer marodierenden Terror-Miliz wie dem Islamischen Staat derart dilettantisch begegnen.» Dieses Manko sei vor wenigen Monaten bereits in einer früheren crossmedialen Grossproduktion, deren Handlung in der Ostukraine angesiedelt war, auf starken Widerspruch gestossen.


Rund zwei Drittel der Medienkonsumenten findet, dass das Drehbuch von grundsätzlicher Realitätsferne zeugt. Wenig einleuchtend sei, dass in einem solchen Konflikt zahlreiche Nachbarstaaten und Regionalmächte überhaupt nicht in Erscheinung treten. Niemals würden in der Realität Länder wie die Türkei oder reiche Golfstaaten einem Konflikt vor der Haustür so lange tatenlos zusehen, bis die Gefahr eines Flächenbrandes derart gross wäre.


Durchsichtige Besetzung

«Und natürlich ist es reiner Zufall, dass in dieser Handlung vor allem amerikanische, britische und französische Geiseln sterben und die entsprechenden Regierungen agieren», heisst es mit leicht ironischem Unterton in der Medienmitteilung weiter. Auch die andauernd wechselnden Allianzen und Konfliktlinien entbehren jeder Logik. «Um eine gelungene epische Schlacht zwischen Gut und Böse zu entwickeln», hält der Rat in seiner Schelte fest, «muss man doch wahrlich kein J.R.R. Tolkien (der Autor der 'Herr der Ringe', Anm. d. Red.) sein».


Mit Zusatzangebot zufrieden

«Doch auch ein miserables Drehbuch kann immer noch gut umgesetzt werden», schreibt der Rat weiter. Positiv bewertet werden etwa die Zusatzangebote im Internet, zm Beispiel so genannten Nachrichtenticker und Social-Media-Dienste. «Hier kommt 'Die Schlacht um Kobane' doch der Vorstellung sehr nahe, wie ein Konflikt im frühen 21. Jahrhundert tatsächlich ablaufen könnte: Mit Twitter-Nahrichten direkt aus umkämpften Strassenzügen entstehe ein beklemmendes Gefühl unmittelbarer Nähe.»


Portale und Ticker, die im Minutentakt ungeprüft und ohne Einordnung Gerüchte und Bilder einem Millionenpublikum vorsetzen, «zeichnen ein treffendes Bild einer dekadenten Gesellschaft, die Informationen so süchtig und ziellos in sich hineinstopft wie Popcorn, ohne im Kinosessel auch nur einen Finger zu wollen.»

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